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Die Megavalanche mit Noah Grossman

5.08.2012 - 10:36
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Dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen mein Racingrepertoire etwas auszuweiten. Im vergangenen Jahr kam meine Freundin Diana Marggraff begeistert aus Alp d´Huez zurück und zeigte mir die Fotos die sie von der Megavalanche gemacht hatte. Diese begeisterten mich derart, dass ich – koste was es wolle – im nächsten Jahr dabei sein wollte. Ich hatte sowieso schon länger geplant das anscheinend „härteste Enduro Rennen der Welt“ mitzufahren, konnte es allerdings nie, da der Termin immer auf ein wichtiges Downhill-Rennen fiel.

In Freiburg packten wir noch unsere Freundin „Alke“ ein, für die es das erste Rennen überhaupt sein sollte und fuhren vollgepackt mit schönen Mädels ab nach Alp d´Huez! Wir hatten für 99 Euro das Packet Gold gebucht, in dem die Liftkarte für 6 Tage, das Rennen, Quali und jede Menge Spaß inklusive waren. Meiner Meinung nach, ein durchaus akzeptabler Preis. Am nächsten Morgen erkundeten wir erst mal die Quali-Strecke, die – nicht wie im Downhill – gleich der Rennstrecke war, sondern eine völlig andere. Eher downhillorientiert, aber ca. 30 Minuten lang. Ja ganz richtig, fahrt mal Downhill eine halbe Stunde am Stück; danach beklagt ihr euch nicht mehr, dass eine Downhill-Strecke über fünf Minuten lang ist. Die darauffolgenden Tage erkundeten wir noch ein bisschen das riesige Revier, in dem es etliche Lifte und noch mehr Strecken gibt, alles nur mit einer Lift-Karte, die regulär auch nur 12,- Euro kosten würde! Nur so als kleiner Tipp am Rande, wenn ihr schon da sein solltet: Die Downhill Strecke in OZ en Oisans ist der absolute Hammer!



Wir versuchten uns schon auf das Finale vorzubereiten und fuhren die Megavalanche Strecke zweimal ab, mehr ging nicht sonst hätten wir unsere ganze Kraft schon vor der Quali verpulvert. Die „Mega“ Strecke verfügte über mehr Tretpassagen und Überholmöglichkeiten als die Qualifikations-Strecke, für ein spannendes Finale war deshalb gesorgt. Schon der Start versprach Spannung und Chaos zugleich. Der Fahrerpulk von 360 Männern (Finale), Pros und qualifizierten Amateuren startete in der Quali wie auch im Rennen im Massenstart. Als ob das nicht genug wäre, war er oben auf dem Gletscher, auf Eis und Schnee! Wegen des gemischten Fahrkönnens der Biker, auch weil sie aus unterschiedlichen Disziplinen kamen (XC, Downhill, Enduro, usw.), ist bei solchen Rennen für Sprengstoff gesorgt.

Am Abend vor der Quali verzichteten wir mal aufs Kochen und gingen alle samt mit Freunden in die Pizzeria um die Ecke. Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten, aber leider hatte der Französische Wirt einen etwas anderen Musikgeschmack als wir, er hatte einen unserer Meinung nach, eher ins Schlagerzelt oder Altersheim gehörenden Sänger engagiert, der extrem laut, relativ schlecht sang und uns erfolgreich daran hinderte uns normal unterhalten zu können. Wir hatten trotzdem unseren Spaß, die Mädels von Alp d´Huez haben dabei für eine ordentliche Tanzeinlage gesorgt. Leider war wahrscheinlich irgendetwas an meinem Essen nicht ganz in Ordnung, weshalb ich dann mitten in der Nacht mit Bauchkrämpfen und Durchfall aufwachte, Juchey! Ich dachte mir natürlich das ich damit schon klar kommen würde und dass ich dieses unbehagliche Gefühl dann beim Fahren schon losbekommen würde. Nach zig unfreiwilligen Toilettenbesuchen zog ich mich an und fuhr mich warm Richtung Lift, während dessen merkt ich aber schon, dass ich an dem Tag nicht so ganz zur Höchstform auflaufen würde. Meine Startnummer war etwas bescheiden, ich startete in meinem Feld von 200 Fahrern nämlich als 146., was bedeutete das ich mich um fürs Finale zu qualifizieren 108 Plätze nach vorne kämpfen musste, denn um am Hauptevent teilzunehmen musste ich mindestens unter die Top 38 kommen.



Alle Nummern wurden einzeln aufgerufen und wir gingen an den start. Man konnte die Aufregung spüren alle waren heiß drauf loszustarten. Ich war gespannt denn anscheinend ist der Start unvergesslich. Dann ging es los. Ich hörte den Heli hinter mir starten. Die Musik switchte zum Megavalanche-Elektro-Pflicht-Sound „Alarma!!!“. Alle fingen an zu schreien, ich fühlte mich wie in einem Feld voller Krieger. Die Tafel mit den 30 Sekunden wurde hochgehalten, dann die 20 Sekunden, es wurde auf einmal ein Kampf ausgetragen welcher Ellbogen vorne ist (um vor den anderen wegzukommen), 10 und …. los! Es gab direkt vor mir eine riesige Massenkarambolage, ich musste mich irgendwie durch boxen und konnte endlich an Fahrt aufnehmen. Ich überholte in den Serpentinen Kurven bestimmt 100 Leute und konnte mich super vorboxen. Danach kam das erste von zwei Schnee Feldern und ich wählte intuitiv die Linie ohne Stau, konnte wieder einige Plätze gut machen, das zweite Schneefeld kam gleich danach. Dort konnte ich mich wegen einer Downhill Extrem Linie bis vor in die top 10 platzieren. Dann kam die Tretpassage, da merkte ich dass ich überhaupt keine Kraft hatte, viele mühevoll überholte Leute musste ich an mir vorbeiziehen lassen. Mir wurde leider klar, ich konnte meine Hoffnungen auf eine gute Startreihe am Sonntag dem Hasen geben, dafür war ich einfach zu schwach. Ich versuchte, mit Erfolg, mich in den technischen Stücken immer wieder vorzudrücken, sodass mir eine Qualifikation als sehr wahrscheinlich erschien und da passierte es, beim überholen holte ich mir einen Platten. Meine Hoffnungen für den Sonntag platzten. Später am Auto angekommen hatte ich dann 40 Grad Fieber und das Wochenende war als Fahrer gelaufen.

Den Nächsten Tag ruhte ich mich aus und sah dem Finale am Sonntag entspannt entgegen.
In der Nacht vom Samstag zum Sonntag war es sehr kalt, weshalb es oben am Gletscher noch kälter war. Am nächsten Morgen oben am Start war die gesamte Schneefläche komplett vereist. Das Finale musst um eine halbe Stunde verlegt werden, sodass die Eisfläche ein bisschen auftauen konnte. Ich postierte mich mit den Fotografen links hinter einem Schneehaufen in der ersten Rechtskurve. Die Startprozedur war die selbe wie in der Quali. Die Fahrer schossen auf die erst Kurve zu, Rene Wildhaber stürzte und hinter ihm fast alle anderen. Es gab eine Massensturz von ca. 150 Mann, die Räder schoben sich über den Schneewulst zu uns und wir entkamen noch grade so. Nach dem Chaos bekam ich leider nicht mehr viel mit, außer die paar Fahrer die ich in der mittleren Trett-Passage sichten konnte. Eins ist sicher das Rennen ist noch härter als die Quali, welche ganz sicher auch kein Zuckerschlecken war. Am Ende Gewann Remy Absalon bei den Männern und Anne Caroline Chausson bei den Frauen. Diana Marggraff wurde bei ihrer ersten Megavalanche 20.!
Für mich steht auf jeden Fall fest das ich mich auf nächstes Jahr richtig vorbereite und mehr solche Events mitmachen möchte. Für jede/n der mal was Extremes mit dem Bike machen will kann ich das Event nur empfehlen, nehmt allerdings unbedingt Schutzausrüstung mit, dass Rennen ist alles andere als ein Kindergarten!

Foto: Nina Hoja.

Vielen Dank an unsere Teamsponsoren: